Media Spree versenken! - die Spreepirat_innen
Subkultur zwischen Widerstand und Aufwertung
Media Spree ist ein Zusammenschluss von größeren Unternehmen, die Grundstücke am Spreeufer oder in dessen Nähe im Bereich zwischen der Jannowitzbrücke in Mitte und der Elsenbrücke in Treptow besitzen. Manche wollen dort Immobilienvorhaben hinklotzen oder ältere Gebäude schick herausputzen, andere wollen ihre Grundstücke teuer an InvestorInnen verkaufen, einige Firmen wiederum haben sich gerade selbst im Spreeraum niedergelassen und sind daran interessiert, dass die Gegend zu einem repräsentativen Wirtschaftsstandort umgebaut wird.
Media Spree ist eine gemeinsame Marketingagentur und bezweckt die Aufwertung des Gebiets, damit es als Bürostandort bekannt und die Nachfrage angekurbelt wird. Weil dem Berliner Senat und dem Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg dies in seine wachstumsorientierte Wirtschaftspolitik passt, wird Media Spree sogar öffentlich gefördert und darf sich Regionalmanagement nennen. Es wird unterstützt, dass sich an dieser Stelle in der Stadt spezialisierte Dienstleistungsunternehmen besonders bündeln, am liebsten aus der Medienwirtschaft und Kulturindustrie. Das Gebiet wird auf diesen Zweck hin ausgerichtet, und andere Interessen, z.B. von Anwohner_innen, sind zweitrangig. Die Mitglieder von Media Spree geben vor, wie sich das Gebiet entwickeln soll, Bezirk und Senat unterstützen dies nach Kräften. Die möglichen Auswirkungen, die eine solche Entwicklung für die angrenzenden Wohnviertel hat, werden erstmal vernachlässigt und unter den Tisch gekehrt. So verwundert es nicht, dass Media Spree nicht nur auf Zustimmung stößt.
Getragen wird der breite Protest gegen Media Spree von einer Ablehnung der Großprojekte international tätiger Investor_innen. Die schleichende Umstrukturierung der umgebenen Viertel hin zu Orten, die attraktiv für eine finanzkräftige neue kreative Mischung werden sollen, findet dagegen oft nicht ausreichend Beachtung. Mietsteigerungen und die Verdrängung all jener Anwohner_innen, die dadurch am Ende ihrer finanziellen Fahnenstange ankommen, sind eben zu kleinteilige Ereignisse, um einzeln groß aufzufallen. Zwischennutzungen und der Hype um Kreativwirtschaft zeigen aber deutlich, dass alternative Kultur im verstärkten Maße direkt in Vermarktungs- und Aufwertungsstrategien städtischer Räume integriert ist. Wird Subkultur vom ungewollten Pionier der Gentrifizierung zum gezielt eingesetzten Aufwertungsfaktor?
An den Veränderungen in der Gegend um das Schlesische Tor ließen sich innerhalb weniger Jahre rasante Veränderungen verfolgen. Die öffentliche Förderung von Zwischennutzungen in leerstehenden Ladenlokalen zog junge hippe Leute in den Kiez, während sich gleichzeitig Universal Music und MTV am anderen Spreeufer breit machten und ihre gut bezahlten Angestellten mitbrachten. Dass im Kiez noch immer viele Leute wohnen, die in relativer Armut leben, viele Menschen mit migrantischem Background und viele ältere Leute, fällt auf der Schlesischen Straße kaum noch auf: Die kulturelle Lufthoheit wurde von einer neuen jungen, oft akademisch gebildeten und sich alternativ und hipp gebenden Mittelschicht erobert. Was wir am Schlesichen Tor wie unter einem Brennglas beobachten können, passiert jedoch auch an vielen anderen Stellen in der Stadt.
Gibt es einen Ausweg aus dem Dilemma, dass subkulturelle und linke Aktivitäten Orte erst attraktiv für eine neue Mittelschicht machen? Selbst wenn Subkultur der Ausblick auf eine befreite Gesellschaft sein möchte, so passt sie doch erstaunlich gut in die Strategien der Kreativwirtschaft. Und sei es, weil sie so schön dem neoliberalen Bild des durchflexibilisierten Menschen entspricht.
Veranstaltung: Do 5.6. 20h, BAIZ:
Subkultur und Stadtumstrukturierung
Subkultur macht Orte oft erst für eine neue Mittelschicht attraktiv.
Gibt es einen Ausweg aus diesem Dilemma?
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