Ein Reader mit allen Projekten und dem Programm zum in-die-Hosentasche-stecken liegt wieder in besseren Cafés, Kneipen etc. aus.
Das Ganze findet statt im Rahmen des berlinweiten Bündnisses
Wir bleiben Alle!
aktuelle Veranstaltungen der nächsten Tage
Mittwoch, 11.06.
- 21:00 Kunst = Politik. über die Identität der Begriffe
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"denn dichterisch wohnet der Mensch auf der Erde" Hölderlin.
"denn das Abstrakte ist der Zimmermann" Hegel.
k77naturheilpraxis - 21:00 Karaoke
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Soli-Singen für die PiMP-Kasse
Lokal
Donnerstag, 12.06.
- 20:00 VoKü (Fleischfresserasyl)
- KvU
Freitag, 13.06.
- 22:00 Salon Bruit
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live experimentelle musik: Caretakers - Richard Scott and James Edmonds (England/Berlin)
mehr info unter salonbruit.blogspot.com
k77café
PiMP - was soll das?
Die Idee zur Initiative Projekte in Mitte und Prenzlauer Berg entsprang vor einem Jahr einer konkreten Be- drohung der alternativen Wohn- und Kulturprojekte Kastanienallee 86, Brunnenstraße 183/ Umsonstladen und SchokoLaden. Inzwischen hat sich die Situation bei einigen verbessert , bei anderen dagegen... So hat die Köpi das schlimmste anscheinend abwenden können, aber Brunnenstraße 183/ Umsonstladen, Linienstraße 206, Schwarzer Kanal, Schreiner 5, Rigaer, ... stehen mal wieder oder immer noch auf der Kippe (näheres dazu in den Selbstdarstellungen).
Wir sprechen von "Bedrohung", weil die Modernisierung/ Sanierung von Altbauten fast immer mit einer
Mietsteigerung einhergeht, die für die bisherigen Bewohner_innen nicht tragbar ist. Das traf und trifft sehr
viele Mieter_innen und Gewerbetreibende in Berlin,
die ihre Nachbarschaft (und damit u.U. Jahrzehnte alte
soziale Strukturen) verlassen müssen, weil sie die z. T.
verdreifachten Mieten nicht bezahlen können.
Im Fall
der genannten und vieler anderer Projekte werden neben bezahlbarem Wohnraum auch Räume zerstört, in
denen Menschen gemeinsam leben und arbeiten. Für
das Zusammenleben in größeren Gruppen, Gemeinschatsswerkstätten/ -ateliers und nicht-kommerzielle
Veranstaltungsorte ist neben geringen Kosten wichtig,
dass Häuser etagen- und nicht wohnungsweise genutzt
werden können.
Der Interessenkonflikt ist klar: kleine Wohneinheiten mit hohem Standard sorgen für höhere Einnahmen der Eigentümer_innen, lassen aber Lebensentwürfe abseits von 1-3ZimmerKücheBad-Single/Kleinfamilie nicht zu und sind schlicht zu teuer. Die für Arbeitsbereiche bzw. Gastronomie üblichen Gewerbemieten sind für nicht und nicht-ausschließlich an Gewinnmaximierung orientierte Betriebe einfach zu hoch.
...und weil die Welt so bescheuert ist wie ihr Fernsehprogramm...
Wir finden das Recht, unser Leben und unsere Arbeit kollektiv und nach unseren Vorstellungen zu organi- sieren, mindestens so legitim wie das Interesse, hohe Gewinne zu erzielen. Es ist unserer Ansicht nach notwendig, kreativ in Gesellschaft und (Kultur-)Geschehen einzugreifen und das, was nicht passt oder nicht vorhanden ist, eben anders oder selber zu machen und so dem Mainstream-Einerlei etwas entgegenzusetzen. Wir wollen Räume schaffen, in denen wir und andere sich wohl fühlen, wo linke/emanzipatorische Politik verhandelt und gelebt wird, rassistisches und (hetero)sexistisches Verhalten nicht die Norm sind, die auch von Menschen mit wenig Geld genutzt werden können, an denen etwas anderes passiert als das, was uns vorgesetzt wird.
Den meisten von uns ist das sogar so wichtig, dass sie Konzerte, Parties, Ausstellungen, Filmabende, Lesungen, Theater usw. unentgeltlich organisieren und/oder für umme hinter"m Tresen stehen. Einige verdienen ihren Lebensunterhalt in Kollektivbetrieben.
Ganz nebenbei geht es uns auch darum, die Ideen solcher "Freiräume" in die Gesellschaft zu tragen und anderen & uns zu zeigen, dass es durchaus Alternativen und Gegenentwürfe zu den herrschenden Verhältnissen gibt. Für all das braucht es Räume, die nicht - oder zumindest nur eingeschränkt - den üblichen Marktmechanismen unterworfen sind.
Aprospos "Freiräume"...
Ein komischer Begriff - frei wovon und für was? Auch in unseren Szenen und Räumen läuft nicht alles tutti. Die ein Leben lang angeeigneten Mechanismen greifen auch hier. Manchmal scheint es fast, als ob manches Scheißverhalten in den so genannten "Freiräumen" noch ungehemmter ausgelebt werden kann - is ja frei und so...Dagegen wollen wir einen bewussten Umgang mit der eigenen Freiheit und der des anderen setzen - und von unseren Besucher_innen einfordern. Ein respekt- voller Umgang sollte eigentlich Mindeststandard (Default) sein - mit anderen Gästen und irgendwie auch mit denjenigen, die den jeweiligen Raum organisieren, bespaßen, Tresen machen, Bands betreuen, kochen oder am nächsten Tag den Dreck wegmachen, ...
"Ist doch ein Freiraum hier" fällt meistens dann, wenn diejenigen, die den Raum überhaupt erst ermöglichen auch mal Schluss machen wollen (oder sich über die Nicht-Einhaltung solcher Mindeststandards aufregen).
Andererseits scheint vielen/ etlichen/ einigen Men- schen, die solche "Freiräume" als Gäste aufsuchen gar nicht (mehr) klar zu sein, was das eigentlich für Räume sind. Manche denken wohl, dass das Bier aufgrund einer besonders harten Kalkulation so billig ist und behandeln die Menschen hinterm Tresen wie ihre persönliche Bespaßer_innen. Klar will keine zu jedem über den Tresen gereichten Bier einen Vortrag halten, was das hier für ein toller Raum ist (oder sich so was anhören). Rumliegende/ aushängende Texte erreichen aber oft nur die, die sich eh schon dafür interessieren und sind genauso oft in einem Szene-Slang geschrieben, der für Außenstehende häufig... naja zumindest abschreckend (wenn nicht albern) wirkt. Wie das simple Wissen um die Struktur und Besonderheiten "unserer" Räume wieder breiter gestreut werden kann, ist daher eines unserer weiteren Anliegen.
Abschließend...
bleiben wir alle jedenfalls der Meinung, dass
- wir lieber selbstorganisiert "arm, aber sexy" sind*
- Selbstorganisation Spaß macht
- oder ...................................................................................................................
und
- sich marktwirtschaftliche Interessen den Menschen unterzuordnen haben, nicht umgekehrt
- ein schönes Leben für alle wichtiger ist als Kapitalismus und der Standort Deutschland
- oder ...................................................................................................................
Der Versuch, jetzt und hier grundlegend anders zu leben, hat natürlich seine Grenzen - das zu leugnen, wäre unproduktiver Unsinn. Jeder "Freiraum" kann nur so "frei" sein, wie es äußere und innere Umstände zulassen. Die allermeisten Szenen verfügen über Kriterien und Codes, deren Beherrschung oft vorausgesetzt wird, und viele gesamtgesellschaftliche Ausschlüsse (Alter, Behinderung, "kulturelle Differenz"...) funktionieren weiterhin mehr oder weniger durch uns alle. Wir kochen auch nur mit Wasser.
Zwar gesellschaftlich wichtige oder sogar notwendige, aber eben oft unentgeltliche Arbeit zu leisten, wird in Zeiten zunehmenden ökonomischen Drucks immer schwieriger - genau wie das Auffangen immer größer werdender Gruppen, die durch die diversen sozialen Raster fallen.
Den Versuch aber ist es immerhin wert.
In diesem Sinn: Pimp Your Life - Pimp Your Kiez!
*) Armut ist selbstverständlich nicht sexy, und keineR von uns will arm sein. Hier wurde nur das immer wiederkehrende Mantra verwurstet. Das einzig richtige, das Herr Wowereit je von sich gab, ist und bleibt "Ich bin schwul, und das ist auch gut so".
